
Ein Mann schlenderte an einem einsamen Strand in Asien dem Sonnenuntergang entgegen, während die Sonne golden leuchtend am Horizont verschwand. Die sanften Wellen plätscherten rhythmisch ans Ufer, und der Duft von salziger Meeresluft umgab ihn wie ein sanfter Mantel. In der Ferne bemerkte er eine Gestalt, die sich immer wieder bückte, etwas aufhob und es weit ins Meer hinauswarf. Neugierig näherte sich der Mann.
Als er näher kam, erkannte er, dass der Einheimische angeschwemmte Seesterne auflas und sie ins Wasser zurückwarf. Fasziniert hielt der Mann inne und fragte: „Was machst du da?“
Der Einheimische blickte auf und lächelte. „Ich werfe die Seesterne zurück ins Meer. Wie du sehen kannst, ist gerade Ebbe, und die Seesterne bleiben am Strand liegen. Wenn ich sie nicht zurückwerfe, sterben sie.“
Der Besucher schüttelte den Kopf, ungläubig über die Mühe des Mannes. „Aber schau dich um! Es müssen Tausende von Seesternen hier am Strand liegen. Du kannst sie doch unmöglich alle aufsammeln. Und an der gesamten Küste werden weitaus mehr angeschwemmt, als du jemals retten könntest. Glaubst du wirklich, dass es einen Unterschied macht?“
Der Einheimische konnte nicht anders, als zu lächeln. Er bückte sich wieder, hob einen weiteren Seestern auf und warf ihn mit einem sanften Schwung zurück ins Wasser. „Für diesen hier macht es wohl einen Unterschied!“
Mit dieser einfachen Geste ließ der Elan des Mannes kurz nach. Die Worte des Einheimischen hinterließen einen bleibenden Eindruck. Es war nicht nur ein Akt der Rettung, sondern auch eine tiefe Lehre über die Bedeutung jedes einzelnen Lebens und die Kraft individueller Anstrengungen.
Der Mann beobachtete den Einheimischen eine Weile weiter, wie er unermüdlich Seestern um Seestern zurück ins Wasser warf. Und während die untergehende Sonne den Himmel in Farben tunkte, die genauso lebendig waren wie die Seesterne selbst, begann er, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht waren es nicht nur die großen Taten, die zählten, sondern auch die kleinen, bewussten Entscheidungen, die, so unbedeutend sie schienen, doch einen tiefen Unterschied machen konnten.
In diesem Moment begriff der Mann, dass das Streben zu helfen, auch wenn es unvollständig und herausfordernd war, einen Wert an sich hatte. Und mit einem neuen Sinn für Verantwortung und Hoffnung wollte auch er seinen eigenen Beitrag leisten, so klein oder groß dieser auch sein mochte. Denn wie der Einheimische so treffend gekonnt hatte, konnte jeder von uns den Unterschied für das Leben eines anderen machen – Seestern für Seestern.
Quelle: Nacherzählung der Geschichte "The Star Thrower" von Loren Eiseley